IT-Sicherheit ChatGPT, Künstliche Intelligenz, KI
Digitale Helfer, aber keine Freunde: Wie Kids und Teens ChatGPT & Co sicher nutzen
KI-Chatbots bergen die Gefahr emotionaler Abhängigkeit. KI-Antworten richtig einordnen und überprüfen. Persönliche Informationen schützen. TÜV-Verband gibt Hinweise, wie Kinder und Jugendliche KI-Tools sicher nutzen und was Eltern beachten sollten.
KI-Chatbots gehören für viele Kinder und Jugendliche zum digitalen Alltag. Sie beantworten Fragen, helfen bei Hausaufgaben und liefern Ideen für Schule und Freizeit. Doch die Technik birgt auch Risiken: falsche Informationen, problematische Inhalte, Datenschutzprobleme, eine zu enge Bindung an digitale Gesprächspartner oder der Verlust eigenen kritischen Denkens. Der TÜV-Verband warnt deshalb vor einem unkritischen Umgang mit KI-Anwendungen. „KI-Chatbots sind nützliche Alltagshelfer, aber keine garantiert fehlerfreie Lexika – und dürfen nicht mit verlässlichen sozialen Gegenübern verwechselt werden“, sagt Patrick Gilroy, Referent für KI und Bildung beim TÜV-Verband. „Nutzer:innen müssen die Grenzen von KI-Tools kennen. Viele Chatbots klingen sehr überzeugend, auch wenn ihre Antworten fehlerhaft oder frei erfunden sind.“ Das könne bei Kindern und Jugendlichen zu Missverständnissen führen, wenn Inhalte ungeprüft übernommen werden. Gilroy: „Ob jung oder alt: Wer mit KI arbeitet, muss lernen, gute Fragen zu stellen und auch sinnvoll klingende, vermeintlich hilfreiche Antworten einzuordnen und zu überprüfen. Das ist eine wichtige digitale Kompetenz.“ Welche weiteren Risiken bei der Nutzung von KI-Chatbots bestehen und wie sich Eltern, Kinder und Jugendliche wappnen können, beschreibt der TÜV-Verband.
Die Risiken
Falsche
Informationen
KI-Chatbots lösen Suchmaschinen zunehmend als Instrument für Recherchen im
Internet ab. In ihren zusammenfassenden Antworten können KI-Chatbots Inhalte
erfinden oder Zusammenhänge falsch oder unausgeglichen darstellen – auch wenn
sie sehr plausibel klingen. Bei Recherchen für die Schule können beispielsweise
Fehler entstehen und Schüler:innen Desinformation, falsche Quellen oder
veraltete Informationen als gesichertes Wissen übernehmen. „Der dauerhafte
Griff zur KI birgt zudem das Risiko eines ‚Deskilling‘“, sagt Gilroy. „Ohne
vertiefte Auseinandersetzung mit einer Materie gehen wertvolle Lerneffekte
verloren.“
Datenschutz
und Privatsphäre
Je nach Anbieter, Kontoart und Einstellungen können in den Chatbots gestellte
Fragen, hochgeladene Dokumente oder andere Eingaben von den KI-Anbietern
gespeichert und weiterverarbeitet werden. Sie nutzen diese Informationen, um
ihre KI-Modelle weiter zu trainieren. Durch Hacks und Sicherheitslücken können
ungewollt sensible persönliche Daten wie Namen, Adressen oder Passwörter an die
Öffentlichkeit gelangen oder nach Cyberangriffen missbraucht werden.
Emotionale
Abhängigkeit
KI-Modelle sind darauf trainiert, einfühlsam, hilfsbereit und menschlich zu
wirken. Manche Kinder und Jugendliche bauen daher eine starke emotionale
Bindung zu den empathisch wirkenden Chatbots auf. Sie nutzen den digitalen
Begleiter beispielsweise, um emotionale Unterstützung zu erhalten oder sich
weniger einsam zu fühlen. Es kommt auch vor, dass sich Nutzer:innen in einen
Chatbot oder in einen KI-Avatar verlieben. Gerade junge Menschen sind dann
anfällig für Manipulation und emotionale Abhängigkeit. Diese Scheinbeziehungen
können mitunter dramatische Folgen bis hin zum Suizid haben.
Suchtgefahr
und Realitätsflucht
Der ständige Austausch mit KI-Chatbots kann soziale Isolation fördern und zu
einer Abhängigkeit führen, ähnlich wie bei Social-Media- oder
Online-Spielsucht. Warnsignale können sein: Rückzug, Schlafprobleme,
Leistungsabfall, Vernachlässigung von Hobbys, Freunden oder der Familie,
geringes Selbstwertgefühl oder verminderte Konzentrationsfähigkeit. Typisch ist
auch starke Unruhe oder „schlechte Laune“, wenn der Dienst nicht genutzt werden
kann.
Ungeeignete
oder verstörende Inhalte
Je nach Dienst können sexualisierte, gewalttätige, extremistische oder sonstige
problematische Inhalte auftauchen, da die KI-Modelle auch mit Daten aus dem
offenen Internet trainiert werden. Die Inhalte können zum Beispiel durch
Missverständnisse beim Prompten entstehen. Nicht zuletzt können junge Menschen
selbst dazu verleitet werden, mit KI-Tools Inhalte zu erstellen und zu teilen,
mit denen andere herabgesetzt, bloßgestellt oder auf andere Weise gemobbt
werden.
Tipps für einen konstruktiv-kritischen Umgang mit KI-Chatbots
Nicht
alles glauben
KI-Antworten kritisch hinterfragen und bei Recherchen immer weitere Quellen
konsultieren. Den KI-Chatbot auffordern, seine Quellen zu nennen, diese
nachverfolgen und Inhalte auf Plausibilität prüfen. Ergänzend autoritative
Quellen wie Schulbücher und vertrauenswürdige Websites einbeziehen sowie das
Gespräch mit Eltern, Mitschüler:innen oder Lehrenden suchen.
KI als
Werkzeug nutzen
Bei Hausaufgaben oder Referaten ist die Versuchung groß, sich mit Hilfe einer
KI komplette Antworten oder den gesamten Vortrag erstellen zu lassen. Die
eigene Leistung ist dann eher gering. KI sollte stattdessen als Hilfsmittel
bzw. Werkzeug verstanden werden. KI kann beim Verstehen, Strukturieren,
Erklären, Üben, Gegenchecken und Visualisieren helfen – die Bewertung, Auswahl
und eigene Formulierung müssen bei den Schüler:innen bleiben.
Persönliche
Daten schützen
Keine persönlichen Daten wie echte Namen, Adressen, Telefonnummern, Schulnamen
oder Passwörter preisgeben. Am besten Pseudonyme bzw. Spitznamen (Nicknames)
verwenden. Niemals private Fotos, Videos oder auch Sprachaufnahmen hochladen,
da sie für Deepfakes missbraucht werden könnten.
Emotionaler
Abhängigkeit vorbeugen
Nicht alles mit der KI besprechen: Bei privaten Konflikten, Krisen oder
psychischen Belastungen sollte ein Chatbot nie der einzige Ansprechpartner
sein. Besser mit Eltern, Vertrauenslehrern, anderen vertrauten Erwachsenen oder
guten Freunden reden. Wer Unterstützung in Krisensituationen sucht, findet rund
um die Uhr anonyme Hilfe beim Notruf (112), der TelefonSeelsorge (0800 111 0
111) oder speziell für junge Menschen und Eltern bei der ‚Nummer gegen Kummer‘
(116 111 bzw. 0800 111 0 550).
Tipps für Eltern
Aufklärung
und Dialog
Mit Kindern und Jugendlichen über KI sprechen: Wie funktioniert KI? Wo liegen
die Grenzen? Worauf ist zu achten? KI ist eine noch recht junge Technologie.
Daher ist es sinnvoll, Erfahrungen zu teilen und voneinander zu lernen.
Gemeinsam können gute und schlechte Antworten verglichen werden, Quellen geprüft,
erlaubte Plattformen definiert, Grenzen besprochen und Regeln regelmäßig
angepasst werden. Nutzungszeiten und Verbote sollten klar kommuniziert werden,
zum Beispiel keine persönlichen Daten preisgeben oder problematische Inhalte
erstellen und teilen.
Altersgerechte
Nutzung
Altersfreigaben für KI-Tools sind uneinheitlich und leicht zu umgehen. ChatGPT
und Gemini sind in den App-Stores ab 13 Jahren angegeben, Claude, Perplexity
oder Character.AI erst ab 18 Jahren. Eltern müssen daher selbst entscheiden, ab
welchem Alter sie eine Nutzung erlauben. Grundsätzlich gilt: Am Anfang sollte
die Nutzung immer gemeinsam erfolgen, bevor Kinder oder Jugendliche die KI
allein anwenden.
Technische
Schutzmaßnahmen einrichten
Kindersicherung einrichten über einen gemeinsamen Familien-Account, das
Betriebssystem oder die Nutzerverwaltung. Privatsphäre-Einstellungen prüfen und
zum Beispiel Chatverlauf und die Nutzung von Eingaben zu Trainingszwecken
deaktivieren. Gespeicherte Chats regelmäßig löschen.
Im
Notfall handeln
Bei Cybermobbing oder Belästigung, zum Beispiel mit KI-generierten
Fake-Bildern, Stimmen-Imitationen oder Bloßstellungs-Memes: Beweise sichern
(etwa Screenshots). Plattform melden, zum Beispiel bei jugendschutz.net. Falls
nötig, Schule oder Polizei einschalten. Bei Suchtverhalten: Nutzung
einschränken und Alternativen in der realen Welt anbieten. Wenn keine Besserung
erkennbar ist, psychosoziale Beratungsangebote nutzen.