Leichtsinn und Unaufmerksamkeit sind Hauptursachen für Unfälle an Bahnübergängen

Wenn ein über 1.000 Tonnen schwerer Zug mit über 100 km/h heranrauscht, sollte sich niemand in seinem Weg befinden. Die Überquerung eines Bahnübergangs ist aber vor allem dann ein Risiko, wenn sich Verkehrsteilnehmer nicht an die Regeln halten und den Vorrang des Schienenverkehrs missachten. Zwar ist die Zahl der Unfälle an den über 15.000 Bahnübergangen in Deutschland seit Jahren rückläufig, nach wie vor werden aber mehr als 100 Unglücke pro Jahr registriert – und die Folgen sind dabei in aller Regel dramatisch. Unfallexperte Achmed Leser vom TÜV Thüringen mahnt auch deshalb zu besonderer Vorsicht an Bahnübergängen, weil die häufigsten Unfallursachen Leichtsinn, Unaufmerksamkeit und Unkenntnis sind.

„Unfälle an Bahnübergängen sind zum Glück relativ selten, die Zahl der Zusammenstöße mit dem die Straße kreuzenden Eisenbahnverkehr ist in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Aufgrund der enormen Masse des Zuges wird der Unfallgegner immer sehr stark in Mitleidenschaft gezogen – oftmals enden die Unfälle mit Totalschäden, Schwerverletzen oder gar Todesopfern“, macht Achmed Leser deutlich. Eigentlich sollte jedem Autofahrer das korrekte Verhalten an Bahnübergängen schon aus Selbstschutz klar sein. „Generell haben Schienenfahrzeuge an Bahnübergängen Vorrang. Bahnübergänge sind normalerweise mit dem Andreaskreuz gekennzeichnet, aber auch an nicht markierten Übergängen von Fuß- oder Radwegen sowie Feld- und Waldwegen haben Schienenfahrzeuge immer Vorrang“, so Leser.

Ob es sich bei dem Bahnübergang um einen unbeschrankten Übergang handelt oder um einen, der zusätzlich durch eine Schranke oder Halbschranke gesichert ist, spielt dabei keine Rolle: Andere Fahrzeuge dürfen sich Bahnübergängen nur mit mäßiger Geschwindigkeit nähern – so schreibt es die StVO vor. „So mancher Autofahrer glaubt unter Zeitdruck, einen Bahnübergang noch in letzter Sekunde vor dem Zug passieren zu können. Bei einem herannahenden Zug, der durch rot- oder gelbblinkendes Licht angezeigt wird, muss aber immer angehalten werden. Die meisten Unfälle an Bahnübergängen sind auf ein Fehlverhalten von Verkehrsteilnehmern zurückzuführen: Leichtsinn, Unaufmerksamkeit oder Unkenntnis zählen laut Verkehrsunfallstatistik zu den häufigsten Ursachen. Damit sind aber längst nicht nur Autofahrer gemeint, denn oftmals versuchen auch Fußgänger oder Radfahrer aus Ungeduld heraus ihr Glück und passieren den Bahnübergang trotz nahendem Zug. Wer so handelt, spielt mit seinem Leben“, stellt Achmed Leser fest.

An mit Schranken gesicherten Bahnübergängen sollte es normalerweise nicht zu Unfällen kommen, aber auch hier passieren immer wieder schwere Unfälle. „Senken sich die Schranken oder sind diese bereits geschlossen, darf der Bahnübergang nicht mehr überquert werden. Gerade Halbschranken verleiten jedoch einige Verkehrsteilnehmer, diese zu umfahren. Hin und wieder kommt es auch vor, dass Autofahrer bei sich senkender Schranke noch schnell über die Gleise fahren wollen, dabei den Verkehrsfluss falsch einschätzen und schließlich auf den Gleisen zum Stehen kommen. In solchen Situationen, wenn der Bahnübergang nicht zügig passiert und ohne Aufenthalt überquert werden kann, muss deshalb immer vor dem Andreaskreuz gewartet werden“, ruft Unfallexperte Leser ins Gedächtnis. Ein Bahnübergang wird rechtzeitig durch die drei-, zwei- und einstreifige Baken angezeigt. In diesem Bereich ist bis zur Kreuzung von Schiene und Straße übrigens auch das Überholen anderer Verkehrsteilnehmer grundsätzlich verboten.