Mobilität & Verkehr Tanken
Rekord-Spritpreise in Deutschland: Privates Einlagern von Benzin oder Diesel birgt mehr Risiken als Nutzen
„Und kost' Benzin auch drei Mark zehn: scheißegal, es wird schon geh'n“, für diese Textzeile wurde Markus in den 80ern müde belächelt. Im Jahr 2026 können Autofahrer von solchen Preisen nur träumen: Sowohl bei Superbenzin als auch bei Diesel wurde stellenweise schon die 3-Euro-Marke geknackt und auch im Durchschnitt liegen die Preise über 2,50 Euro. Der Iran-Konflikt und die daraus resultierende Sperrung der Straße von Hormuz haben die Energiepreise in den letzten Wochen regelrecht explodieren lassen. Da überlegt der eine oder andere Autofahrer, ob er nicht Kraftstoff im Keller oder in der Garage bunkern sollte. Doch das ist höchst gefährlich und darum auch nur in geringen Mengen erlaubt. Marcel Schauffler vom TÜV Thüringen rät dringend davon ab und gibt Tipps wie sich hohe Spritpreise kompensieren lassen.
„Das private Einlagern von Benzin oder Diesel ist weder wirtschaftlich sinnvoll noch empfehlenswert. Schon weil niemand in seiner Garage mehr als 20 Liter Benzin lagern darf, sind die möglichen Einspareffekte kaum nennenswert. Diese Menge entspricht aber selbst bei Kleinwagen gerade einmal einer halben Tankfüllung. Weil Diesel schwerer entflammbar ist, dürfen zwar bis zu 200 Liter eingelagert werden – aber wer weiß schon, ob die Preise nicht bald wieder sinken“, fragt Fahrzeugexperte Marcel Schauffler vom TÜV Thüringen.
Doch auch langfristig ist durch eine private Kraftstofflagerung kein wesentliches Sparpotenzial möglich. Im Gegenteil: die Lagerung von Kraftstoffen birgt immer auch Gefahren. „Generell müssen Diesel und Benzin aus Sicherheitsgründen immer in dafür zugelassenen, luftdichten und bruchsicheren Reservekraftstoff-Kanistern (RKK) gelagert werden. Geeignete Kanister sind an ihrer RKK-Zulassung und dem Flammsymbol erkennbar. Bei falscher Handhabung können giftige Dämpfe austreten oder gar ein explosives Luftgemisch entstehen. Kunststoffkanister lassen sich zudem meist nie völlig luftdicht verschließen, was sich auch negativ auf die Kraftstoffqualität auswirken kann“, warnt Schauffler. Nur wenn die Kanister luftdicht sind, können Kraftstoffe über längere Zeiträume eingelagert werden. Mieter müssen außerdem beachten, dass viele Vermieter die Lagerung aus Brandschutzgründen in der Hausordnung untersagen.
Doch was können Autofahrer dann gegen die Rekord-Spritpreise machen? „Wer nicht ganz aufs Auto verzichten kann, sollte zumindest unnötige Fahrten vermeiden. Viele Wege lassen sich auch zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln erledigen. Auch Fahrgemeinschaften mit Nachbarn oder Kollegen können sinnvoll sein, denn noch immer sind die meisten Autos nur mit einer Person besetzt“, gibt Marcel Schauffler zu bedenken. „Abgesehen davon empfiehlt sich natürlich eine defensive und vorausschauende Fahrweise, denn auch durch frühes Schalten und die Vermeidung hoher Drehzahlen können Autofahrer viele Liter Sprit sparen“, ergänzt der Autoexperte.