Sicherheit von Fahrzeug-Komponenten: Warum auch ein Hubdach eine EMV-Prüfung benötigt

Moderne Autos bestehen aus einem ganzen Sammelsurium technischer Komponenten, die oft von unterschiedlichsten Zulieferern stammen. Nicht nur bei Wohnmobilen und Campern spielen auch immer öfter nachgerüstete Komponenten eine Rolle, die es zum Zeitpunkt der Markteinführung mitunter noch gar nicht gab. Damit es dennoch nicht zu möglicherweise gefährlichen Fehlfunktionen kommt, weil sich die elektronischen Komponenten gegenseitig beeinflussen oder stören, gibt es strenge Vorgaben für die sogenannte Automotive-Tauglichkeit zugelassener Bauteile. Experten vom Technischen Dienst des TÜV Thüringen prüfen hierfür unter anderem die elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) und stellen dabei sicher, dass die Elektronik keinen der definierten Grenzwerte überschreitet.

Die Prüfobjekte sind dabei so vielfältig wie das Zubehör- und Technik-Angebot im Automotive-Bereich erwarten lässt. Zuletzt prüften Experten des TÜV Thüringen im Rahmen eines genehmigungsrelevanten Verfahrens das Steuergerät eines Hubdachsystems von Knaus Tabbert. Das Hubdach musste beweisen, dass die elektromagnetischen Emissionen beim Ein- und Ausfahren des Daches innerhalb der geltenden Grenzwerte bleiben. Das Hubdach nutzt dafür an allen vier Ecken positionierte Linearantriebe. Die elektromagnetischen Emissionen wurden sowohl während der Inbetriebnahme als auch im regulären Betrieb des Systems sowie unter synchronen als auch unter asymmetrischen Lastbedingungen gemessen, denn letztere können etwa durch ungleichmäßige Schneelasten oder zusätzlich montierte Dachklimaanlagen entstehen und sind daher keinesfalls auszuschließen.

Das kundenspezifische Steuergerät wurde von EDAG entwickelt und realisiert. Der TÜV Thüringen begleitete die Bewertung des Gesamtsystems mit Fokus auf die Einhaltung regulatorischer Anforderungen und relevanter Normen. Im Rahmen der EMV-Prüfung wurde die Durchführung umfassender Messungen zur Bewertung der Störaussendung überwacht. Die Messungen erfolgten sowohl in vertikaler als auch in horizontaler Ausrichtung, wobei durch den Einsatz unterschiedlicher Antennentypen alle relevanten Frequenzbereiche abgedeckt und geprüft werden konnten. Ein zentraler Bestandteil der Prüfungen war die Überprüfung der Einhaltung geltender Grenzwerte. Die exakte Analyse der von den Bauteilen abgestrahlten elektromagnetischen Störungen stellt aber nicht nur die Interoperabilität mit anderen Teilen sicher, sie schließt auch langfristig schädliche Auswirkungen auf Menschen, Tiere und ihre Umwelt aus.

Der Technische Dienst des TÜV Thüringen stellt die regelkonforme Durchführung aller Prüfschritte sicher, überwacht die Vollständigkeit und Korrektheit der Messungen und bestätigt die Ergebnisse in der entsprechenden Dokumentation. Der erfolgreiche Abschluss der Prüfungen ist eine der Grundlagen für die Umsetzung des genehmigungsrelevanten Verfahrens beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA).