Mobilität & Verkehr Fahrrad, Verkehrssicherheit, Unfall
Tragische Unfallbilanz 2025: Unfallstatistik zeigt deutlich wachsenden Anteil von E-Bike- und Radfahrern an den Verkehrstoten
Die Unfallstatistik 2025 zeigt mit tragischen Zahlen die Notwendigkeit weiterer Anstrengungen für die Verkehrssicherheit auf. Insgesamt kamen im vergangenen Jahr nach den jüngst veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamtes 2.821 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einer Steigerung um 1,8 Prozent oder 51 Menschenleben. Die Zahl der getöteten Radfahrer stieg sogar um 3,8 Prozent auf 462 – damit war jeder sechste Verkehrstote mit dem Fahrrad unterwegs. 217 der getöteten Radfahrer verunglückten mit einem E-Bike. Damit setzt sich ein dramatischer Trend weiter fort: im Zehnjahresvergleich mit dem Jahr 2015 stieg die Zahl der getöteten Radfahrer um 20,6 Prozent. Marcel Schauffler vom TÜV Thüringen führt das auch auf den gestiegenen Anteil von E-Bike-Nutzern und den damit verbundenen höheren Geschwindigkeiten zurück.
Während sich die Zahl der Verkehrstoten seit 2015 insgesamt um 18,4 Prozent verringert hat, ist die Zahl der getöteten Radfahrer um 20,6 Prozent gestiegen. „Fahrradfahrer sind im Straßenverkehr schon immer besonders gefährdet, aber in den letzten Jahren ist ihr Anteil an den Verkehrstoten noch deutlich gewachsen. Bei einem Unfall erleiden Radfahrer oftmals schwere Verletzungen, gerade auch wenn andere Fahrzeuge beteiligt sind. Zum Anstieg der letzten Jahre haben aber zweifellos auch der stark angestiegene Fahrradbestand und die wachsende Zahl von E-Bikes beigetragen“, ist sich Marcel Schauffler vom TÜV Thüringen sicher.
Die Unfallstatistik zeigt auch einen zunehmenden Anteil an E-Bike-Unfällen und getöteten E-Bike-Fahrern: 2025 war fast die Hälfte der tödlich verunglückten Radfahrer mit elektrischer Unterstützung unterwegs. „Nicht nur Ältere haben in den letzten Jahren auf ein E-Bike umgesattelt, auch viele Jüngere schätzen den elektrischen Zusatzantrieb. Allerdings werden dadurch auch wesentlich höhere Durchschnittsgeschwindigkeiten erreicht. Dies führt einerseits dazu, dass die Geschwindigkeit des Radfahrers öfter von Autofahrern unterschätzt wird, anderseits kommt auch nicht jeder E-Bike-Fahrer in allen Verkehrssituationen mit den höheren Geschwindigkeiten und den oftmals wesentlich schwereren Rädern zurecht“, so Unfallexperte Marcel Schauffler.
Das belegen auch die Zahlen des Statistischen Bundesamts: Im Jahr 2025 waren insgesamt 61,5 Prozent der tödlich verunglückten Radfahrer 65 Jahre oder älter. Während mehr als zwei Drittel (67,3 Prozent) der getöteten E-Bike-Fahrer dieser Altersgruppe angehörten, waren nur 56,3 Prozent der mit einem klassischen Fahrrad tödlich Verunglückten 65 Jahre oder älter.
Der wachsende Anteil von Radfahrern an den Verkehrstoten ist auch auf den stark gestiegenen Fahrradbestand zurückzuführen. Laut dem Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) hat sich der Bestand in den letzten zehn Jahren von rund 72 auf fast 89 Millionen Fahrräder und E-Bikes erhöht. Marcel Schauffler betont außerdem die Bedeutung einer radfahrergerechten Infrastruktur: „Vielerorts ist die Verkehrsinfrastruktur nicht mit dem anhaltenden Fahrrad- und E-Bike-Boom der letzten Jahre mitgewachsen. Fehlende oder schlecht ausgebaute Radwege, aber auch das Fehlverhalten anderer Verkehrsteilnehmer und das der Radfahrer selbst, tragen zu den erhöhten Unfallzahlen bei. Im verdichteten Stadtverkehr wird der Mindestabstand von 1,5 Metern beim Überholen der Radfahrer von vielen Autofahrern missachtet, außerdem werden die wenigen vorhanden Radwege viel zu oft durch unerlaubtes Halten von Fahrzeugen blockiert. Das führt dann nicht selten zu Gefährdungen oder gar Stürzen der Radfahrer. Um solche Situationen zu vermeiden, weichen Fahrradfahrer wiederum teilweise unerlaubterweise auf Gehwege aus und gefährden dann im Zweifel die Fußgänger. Zu oft gerät der StVO-Grundsatz der gegenseitigen Rücksichtnahme im täglichen Straßenverkehr sowohl bei Radfahrern als auch bei Autofahrern in Vergessenheit. Schaut man bei Fahrradunfällen mit einem Unfallgegner auf den Unfallverursacher, dann trugen die Fahrradfahrer auch an knapp drei von zehn dieser Unfälle mit Personenschaden selbst die Hauptschuld (28,6 Prozent)“, erklärt Marcel Schauffler vom TÜV Thüringen.