TÜV Thüringen verhilft Framo-Lkw mit neuester Brennstoffzellentechnologie von FES auf die Straße

Völlig emissionsfreier Straßenverkehr ist heute noch Zukunftsmusik, gerade im Nutzfahrzeug- und Schwerlastverkehr führt bisher kaum ein Weg an fossilen Brennstoffen vorbei. Auf der Suche nach lokal emissionsfreien Lösungen setzen die Hersteller schwerer Lkw verstärkt auf Wasserstoff-Brennstoffzellen, mit deren Hilfe sich ein vollelektrischer Antrieb und damit ein umweltfreundlicher Schwerlastverkehr realisieren lassen: Schon heute können schwere Lkw damit Reichweiten von über 200 Kilometern erreichen. Neuestes Beispiel für einen emissionsfreien Lkw ist der neuentwickelte Brennstoffzellen-Lkw der FES GmbH Fahrzeug-Entwicklung Sachsen auf Framo-Basis. Den ersten Erprobungsträger hat der Technische Dienst des TÜV Thüringen im Rahmen einer EG-Einzelgenehmigung geprüft.

Wie jedes andere Fahrzeug muss auch der Brennstoffzellen-Lkw von FES auf Basis eines Framo ein Zulassungsverfahren für den Straßenverkehr durchlaufen. Für ihren Erprobungsträger strebten die beiden Hersteller, einerseits die FES GmbH Fahrzeug‑Entwicklung Sachsen aus Zwickau und die Framo GmbH aus dem nicht weit entfernten thüringischen Löbichau, eine EG-Einzelgenehmigung an. Die Sachverständigen vom Technischen Dienst Gesamtfahrzeug des TÜV Thüringen haben den vollelektrischen Lkw mit seiner Brennstoffzelle hierzu auf Herz und Nieren überprüft.

Genau wie andere Lkw mit Diesel-Motor müssen auch Elektrofahrzeuge verschiedene Geräuschmessungen absolvieren. Hierbei werden einerseits die Vorbeifahrgeräusche gemäß UNECE R134 und nach VO(EU) 540/2014 gemessen, anderseits müssen sie aber auch über ein Acoustic Vehicle Alert System (AVAS) verfügen: Hierbei handelt es sich um einen Warngeräusch-Generator, der Fußgänger und Radfahrer auf das leise Fahrzeug aufmerksam macht. Darüber hinaus musste sich der Lkw einer elektromagnetischen Verträglichkeitsprüfung gemäß UNECE R10 unterziehen. Eine weitere Anforderung für eine EG-Einzelgenehmigung und für die Erhöhung der Straßenverkehrssicherheit ist die Überprüfung der Geschwindigkeitsbegrenzungseinrichtungen gemäß der UNECE R89. Die sicherheitstechnischen Anforderungen von Fahrzeugen mit einem Elektroantrieb sind besonders hoch, daher musste auch die elektrische Sicherheit gemäß der UNECE R100 am vollelektrischen Brennstoffzellen-Lkw geprüft werden. Kaum mehr als eine Formsache sind die Überprüfung des gesetzlich vorgeschriebenen Fabrikschilds sowie die Einhaltung der europäischen FIN-Verordnung, die eine eindeutige Identifizierung von Hersteller und Typ ermöglicht.

Nach dem erfolgreichen Durchlaufen der Prüfungen durch den TÜV Thüringen und dem Erteilen der Einzelgenehmigung seitens der Genehmigungsbehörden soll der Brennstoffzellen-Lkw am 22. Juli in Zwickau der Öffentlichkeit präsentiert werden. Das 18 Tonnen schwere Fahrzeug basiert auf einem OEM-Fahrgestell und ist der erste Erprobungsträger. Als Serienfahrzeug könnte es künftig im Bereich der City-Logistik zum Einsatz kommen und je nach Aufbau beispielsweise als Kühltransporter genutzt werden.