Mobilität & Verkehr Verkehrssicherheit, Unfall, Schulweg
Unfallschwerpunkt Schulweg: Kein Tag ohne verunglückte Kinder auf Thüringer Straßen
Allein in den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 registrierte die Thüringer Polizei mehr als 21.000 Unfälle, fast jeder zehnte davon endete mit Personenschaden. Erfahrungsgemäß häufen sich gerade zum Schulbeginn auch wieder die Unfälle mit Beteiligung von Kindern. Einen Schwerpunkt sieht Marcel Schauffler vom TÜV Thüringen nicht nur unmittelbar vor Schulen, sondern auch an den Haltestellen des öffentlichen Nahverkehrs. Er mahnt Autofahrer daher zu besonderer Vorsicht.
Mit dem Schulbeginn nehmen auch wieder tausende Schülerinnen und Schüler täglich am Straßenverkehr teil. Egal ob zu Fuß, mit dem Fahrrad, im Elterntaxi oder auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Der Weg zur Schule und zurück ist gerade für jüngere Kinder immer mit Risiken verbunden. Gerade an den Haltestellen der Schulbusse ist generell erhöhte Aufmerksamkeit gefragt, „Elterntaxis“ sorgen aber auch direkt an den Schulen regelmäßig für gefährliche Situationen. Laut Thüringer Landesamt für Statistik verunglückt alle 15 Stunden ein Kind im Straßenverkehr, statistisch gesehen vergeht also kein einziger Tag ohne ein solches Unglück.
Nach den Sommerferien werden auch reguläre Busse und Bahnen wieder stärker von Schülern genutzt. „Für Autofahrer heißt es jetzt nicht nur vor Schulen, sondern gerade auch an Haltestellen: Fuß vom Gas und ständig bremsbereit sein! Besondere Aufmerksamkeit sollte den Schulbussen geschenkt werden“, mahnt Unfallexperte Marcel Schauffler vom TÜV Thüringen. Schulbusse sind mit einem orangefarbenen, viereckigen Hinweisschild mit zwei Kindern gekennzeichnet. „Gerade jüngere Schüler können viele Verkehrssituationen noch nicht richtig einschätzen. Sie überqueren oft unüberlegt und spontan die Fahrbahn. Darauf sollten alle anderen Verkehrsteilnehmer besonders zu Schulbeginn gefasst sein“, erklärt Schauffler.
Das richtige Verhalten an Haltestellen ist nach seiner Erfahrung leider auch bei vielen Autofahrern nicht immer abrufbereit. „Laut StVO dürfen Omnibusse des Linienverkehrs sowie gekennzeichnete Schulbusse, die sich mit eingeschaltetem Warnblinklicht einer Haltestelle nähern, nicht überholt werden. Wenn ein Bus an einer Haltestelle mit eingeschaltetem Warnblinklicht stoppt, darf daran nur mit Schrittgeschwindigkeit vorbeigefahren werden. Das gilt auch für den entgegenkommenden Verkehr! Wenn Linienbusse und gekennzeichnete Schulbusse die Haltestelle wieder verlassen wollen, müssen heranfahrende Verkehrsteilnehmer ihnen das ermöglichen“, erinnert Marcel Schauffler.
Insgesamt ereigneten sich laut Thüringer Verkehrsunfallstatistik in den ersten fünf Monaten dieses Jahres 2.009 Verkehrsunfälle mit Personenschaden, das waren fast 250 weniger als im Vorjahr. Auch die Zahl der Verkehrsunfalltoten ging im Vergleichszeitraum leicht zurück: Von Januar bis Mai 2026 kamen demnach 28 Personen (-2) bei Verkehrsunfällen in Thüringen ums Leben. Gegen diesen Trend entwickelten sich leider die Schulwegunfälle, denn deren Zahl ist im letzten Jahr insgesamt um 6,7 Prozent angestiegen. Die Zahl der Schulwegunfälle mit Personenschaden stieg sogar um 16,7 Prozent an. Dabei verunglückten 39 Schüler auf Thüringens Straßen, sechs davon schwer. Erstmals seit zehn Jahren kam 2025 in Thüringen wieder ein Kind auf dem Schulweg zu Tode. Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung der verunfallten Schulkinder, die zu Fuß unterwegs waren: Hier stieg die Zahl von neun auf 15. Weitere 16 Schulkinder verunglückten im vergangenen Jahr mit dem Fahrrad. Beschränkt man den Blick nicht auf Schulwegunfälle, verunfallte im Durchschnitt alle 15 Stunden ein Kind unter 15 Jahren auf Thüringer Straßen.