
Mobilität & Verkehr Verkehrssicherheit, Unfall, Schulweg
Unfallschwerpunkt Schulweg: Kein Tag ohne verunglückte Kinder auf Thüringer Straßen
In den ersten fünf Monaten dieses Jahres registrierte die Thüringer Polizei fast 20.000 Unfälle. Mehr als jeder zehnte davon endete mit Personenschaden, 30 Personen verunglückten auf Thüringens Straßen sogar tödlich. Erfahrungsgemäß häufen sich gerade zum Schulbeginn auch wieder die Unfälle mit Beteiligung von Kindern. Einen Schwerpunkt sieht Marcel Schauffler vom TÜV Thüringen vor Schulen, aber auch an Haltestellen des öffentlichen Nahverkehrs. Er mahnt Autofahrer daher zu besonderer Vorsicht.
Mit dem Schulbeginn sind auch viele Schülerinnen und Schüler wieder täglich auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Doch nicht nur an den Haltestellen der Schulbusse ist generell erhöhte Aufmerksamkeit gefragt, „Elterntaxis“ sorgen auch direkt an den Schulen regelmäßig für gefährliche Situationen. Laut Thüringer Landesamt für Statistik verunglückt alle 15 Stunden ein Kind im Straßenverkehr, statistisch gesehen vergeht also kein einziger Tag ohne ein solches Unglück.
Nach den Sommerferien werden auch reguläre Busse und Bahnen wieder stärker von Schülern genutzt. „Für Autofahrer heißt es jetzt nicht nur vor Schulen, sondern gerade auch an Haltestellen: Fuß vom Gas und ständig bremsbereit sein! Besondere Aufmerksamkeit sollte den Schulbussen geschenkt werden“, mahnt Unfallexperte Marcel Schauffler vom TÜV Thüringen. Schulbusse sind mit einem orangefarbenen, viereckigen Hinweisschild mit zwei Kindern gekennzeichnet. „Gerade jüngere Schüler können viele Verkehrssituationen noch nicht richtig einschätzen. Sie überqueren oft unüberlegt und spontan die Fahrbahn. Darauf sollten alle anderen Verkehrsteilnehmer besonders zu Schulbeginn gefasst sein“, erklärt Schauffler.
Das richtige Verhalten an Haltestellen ist nach seiner Erfahrung bei vielen Führerscheininhabern nicht immer abrufbereit. „Laut StVO dürfen Omnibusse des Linienverkehrs sowie gekennzeichnete Schulbusse, die sich mit eingeschaltetem Warnblinklicht einer Haltestelle nähern, nicht überholt werden. Wenn ein Bus an einer Haltestelle mit eingeschaltetem Warnblinklicht stoppt, darf daran nur mit Schrittgeschwindigkeit vorbeigefahren werden. Das gilt auch für den entgegenkommenden Verkehr! Wenn Linienbusse und gekennzeichnete Schulbusse die Haltestelle wieder verlassen wollen, müssen heranfahrende Verkehrsteilnehmer ihnen das ermöglichen“, erinnert Marcel Schauffler.
Insgesamt ereigneten sich laut Thüringer Verkehrsunfallstatistik in den ersten fünf Monaten dieses Jahres 2.184 Verkehrsunfälle mit Personenschaden, was nahezu dem Vorjahresniveau entspricht. Die Zahl der Verkehrsunfalltoten stieg allerdings im Vergleichszeitraum an: Von Januar bis Mai 2025 kamen demnach 30 Personen bei Verkehrsunfällen in Thüringen ums Leben, das sind vier mehr (+15,4 Prozent) als im Vorjahreszeitraum. Die Schulwegunfälle sind im letzten Jahr erfreulicherweise insgesamt um 11,8 Prozent zurückgegangen und auch die Zahl der Schulwegunfälle mit Personenschaden entwickelte sich rückläufig, hier wurden 12,2 Prozent weniger Unfälle registriert. Dennoch verunglückten auf Thüringens Straßen 40 Schüler, fünf davon schwer. Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung der verunfallten Schulkinder, die mit dem Fahrrad unterwegs waren: Hier verdoppelte sich die Zahl von acht auf 16. Neun Schulkinder verunglückten im vergangenen Jahr als Fußgänger. Beschränkt man den Blick nicht auf Schulwegunfälle, verunfallte im Durchschnitt alle 15 Stunden ein Kind unter 15 Jahren auf Thüringer Straßen.