Vermehrte Unfälle im Frühsommer: Unfallexperten empfehlen besonders behutsamen Start in die Motorrad-Saison 2022

Die Fahrt mit dem Motorrad ist für viele Menschen fester Bestandteil eines schönen Wochenendes. Je nach Saisonkennzeichen beginnt der Fahrspaß auf zwei Rädern von März bis Mai und endet meistens im Oktober. Mit den ersten Sonnenstrahlen werden die Maschinen für eine erste Spritztour nach der langen Winterpause aus der Garage geholt. Bei sonnigem Wetter und vor allem an Wochenenden und Feiertagen ist daher wieder mit zahlreichen Motorrädern auf unseren Straßen zu rechnen. Naturgemäß steigt dann auch die Unfallgefahr mit Beteiligung motorisierter Zweiräder. Unfallexperte Achmed Leser vom TÜV Thüringen warnt übermütige Zweiradpiloten vor Selbstüberschätzung und riskanter Fahrweise, fordert aber auch Autofahrer zur Vorsicht auf: Gegenseitige Rücksichtnahme bleibt oberstes Gebot.

Während einige motorisierte Zweiradfahrer das Krad nicht nur bei schönem Wetter für den Weg zur Arbeit nutzen, ist das Motorradfahren für viele andere Biker der Inbegriff von Freiheit und dient ausschließlich dem Fahrspaß. „Leider verzeichnen wir jedes Jahr zu Saisonbeginn vermehrt Motorradunfälle, gerade an Wochenenden oder an Tagen wie Christi Himmelfahrt oder zu Pfingsten. Oftmals paart sich dabei die noch nicht wiedergewonnene Fahrpraxis mit Selbstüberschätzung oder gar einer übermäßigen Risikobereitschaft. Den meisten Motorradfahrern ist die im Vergleich zum Auto höhere Gefahr eines schweren Unfalls zwar durchaus bewusst, aber gerade bei schönem Wetter ist eine Ausfahrt auf zwei Rädern dann doch zu verlockend. Um das Risiko folgenschwerer Unfälle möglichst gering zu halten, sollten alle ambitionierten Biker besonders behutsam in die Motorrad-Saison starten“, appelliert Achmed Leser vom TÜV Thüringen.

Wie gefährlich Motorradfahren ist, belegt auch die Verkehrsunfallstatistik. Wie bereits 2020 hatte auch im vergangen Jahr das weiter rückläufige Verkehrsgeschehen durch die Corona-Pandemie einen positiven Einfluss auf Unfälle mit Personenschaden. 2021 geht damit als das Jahr mit den geringsten Verkehrstoten in die bisherige Geschichte der Unfallstatistik ein. Nach den vorläufigen Ergebnissen des Statischen Bundesamtes war hier ein Rückgang um 6 Prozent (-150 Getötete) zu verzeichnen. Erfreulicherweise ist auch die Zahl der getöteten motorisierten Zweiradfahrer auf einem historischen Tiefststand. Die Anzahl der bei einem Unfall ums Leben gekommenen Kraftradnutzer ging demnach um insgesamt 4,5 Prozent (-25 Getötete) zurück. Dennoch kamen im vergangenen Jahr 471 Benutzer schwerer Maschinen mit amtlichen Kennzeichen ums Leben. Die Zahl der getöteten Nutzer von Krafträdern mit Versicherungskennzeichen stieg sogar um 3 auf 56 gegenüber dem Vorjahr. Unfallexperte Achmed Leser vom TÜV Thüringen interpretiert die Zahlen wie folgt: „Wir wissen, dass das Risiko als Motorradfahrer im Straßenverkehr bei einem Unfall tödlich verletzt zu werden, nach wie vor um ein Vielfaches höher ist als bei Autofahrern. Wenn wir uns die Anzahl der Getöteten aller Straßenverkehrsunfälle genauer anschauen, fällt auf, dass knapp 45 Prozent der Todesopfer Insassen von Personenkraftwagen sind. Demgegenüber gehen über 20 Prozent der Getöteten im Straßenverkehr auf das Konto der Kraftradbenutzer. Wenn wir hier den Anteil der Verkehrsmittelbenutzung und den Fahrzeugbestand insgesamt berücksichtigen, sollten diese Zahlen jedem zu denken geben.“

Der Unfallexperte Achmed Leser appelliert aber auch an die gegenseitige Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer. „Oftmals werden Motorradfahrer von anderen Verkehrsteilnehmern aufgrund ihrer deutlich kleineren Silhouette übersehen – besonders jetzt nach der Winterpause rechnen viele nicht mit den wieder am Straßenverkehr teilnehmenden Motorradfahrern. Entfernungen, Geschwindigkeiten und das Beschleunigungs-Potenzial der Motorräder werden hierbei vom Autofahrer immer wieder verkannt“, gibt Leser zu bedenken.

„Kommt es zum Unfall, erleiden Motorradfahrer beziehungsweise deren Soziusfahrer teilweise schwerste Verletzungen oder kommen gar zu Tode“, betont Leser. Er empfiehlt den Zweiradfahrern, sich mit Besonnenheit an das Fahrverhalten ihrer Maschinen heranzutasten. „Das Gefühl für Bremse und Kurvenfahren will nach der langen Pause erst wieder erlernt werden.“ Schlaglöcher und Straßenschäden sind eine zusätzliche Gefahr für Zweiradpiloten, gerade in schlecht einsehbaren Kurven. Umso wichtiger ist es, den Saisonstart gemächlich anzugehen und den Gashahn im Zaum zu halten.

Technische Mängel an Motorrädern gehören hingegen eher zu den Randerscheinungen bei den Unfallursachen. Dies führt Achmed Leser einerseits auf die Liebhaberei zu ihren Maschinen zurück, anderseits aber auch auf das Bewusstsein der Motorradbesitzer hinsichtlich des Gefahrenpotenzials. Dieses zieht oft eine besondere Pflege und Wartung der Maschinen nach sich. Der TÜV Thüringen unterstützt präventive Aktionen für mehr Verkehrssicherheit motorisierter Zweiradfahrer wie „Sicher durch den Harz“, um über Gefahren aufzuklären und das Risiko schwerer Unfälle zu reduzieren.

„Sicher durch den Harz“: TÜV Thüringen unterstützt Biker-Aktionstag der Polizei