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Reh im Scheinwerferlicht

Vorsicht Wildwechsel: Wildunfälle haben im Herbst Hochsaison

Im Spätsommer und Herbst müssen sich Autofahrer gerade in der Dämmerung und bei Nacht auf häufigeren Wildwechsel einstellen. Aufgrund der kürzer werdenden Tage ändern auch Wildtiere ihren Rhythmus, viele legen für die Nahrungssuche jetzt wieder längere Wege zurück. Dadurch steigt auch die Gefahr von Wildunfällen deutlich an. Unfallexperte Marcel Schauffler vom TÜV Thüringen rät zu erhöhter Bremsbereitschaft und angepasster Geschwindigkeit.

„Gerade in unmittelbarer Nähe zu Feldern und Wäldern müssen Autofahrer im Spätsommer und Herbst jederzeit mit plötzlich auftauchendem Wild rechnen. Besonders in den Morgen- und Abendstunden ist deshalb erhöhte Aufmerksamkeit gefragt. Hier sollte man vorausschauend fahren, die Geschwindigkeit anpassen und stets bremsbereit sein“, gibt Unfallexperte Marcel Schauffler vom TÜV Thüringen zu bedenken.

Neben der Paarungszeit mancher Wildtiere kommt im Spätsommer und Herbst auch noch die Erntezeit hinzu: Die großen Maschinen schrecken vor allem Rehwild auf. Im Anschluss bieten abgeerntete Felder keinen Schutz mehr, weshalb viele Tiere auf andere Flächen ausweichen.

Eine oft unterschätzte Gefahrenstelle sind Maisschläge direkt am Fahrbahnrand. Maisfelder sind in der Regel sehr dicht und daher schlecht einsehbar. Gleichzeitig sind sie ein beliebter Rückzugsort für Schwarzwild: Wildschweine finden hier ideale Bedingungen für die Nahrungsaufnahme. „Taucht Wild plötzlich aus einem Maisfeld auf, bleibt Autofahrern oft nur sehr wenig Zeit zum Reagieren. Bei zu hoher Geschwindigkeit lässt sich ein Zusammenstoß dann kaum noch vermeiden“, erläutert Marcel Schauffler. „Deshalb sollte die Geschwindigkeit vorsorglich reduziert werden. Außerdem gilt es, jederzeit bremsbereit zu sein.“

Kommt es dennoch zu einem Zusammenprall mit Wildtieren, wird in den meisten Fällen ein erheblicher Sachschaden am Fahrzeug verursacht. „Besonders gefährlich wird ein Wildunfall, wenn das Tier bei hoher Geschwindigkeit ins Fahrzeuginnere geschleudert wird. Auch riskante Ausweichmanöver können zu schweren Folgeunfällen führen“, erklärt Schadengutachter Marcel Schauffler.

Das bekannte „Wildwechsel“-Verkehrsschild mit dem springenden Hirsch weist auf Streckenabschnitte hin, auf denen Wild besonders häufig die Fahrbahn quert. Hier sollten Autofahrer stets aufmerksam unterwegs sein und ihr Tempo anpassen. An hochkritischen Wildgefahrenstellen sind die Leitpfosten inzwischen meistens mit zusätzlichen Wildwarnreflektoren ausgestattet. Dennoch werden jedes Jahr tausende Verkehrsteilnehmer von den unvorhersehbaren Straßenüberquerungen der Tiere überrascht.

Unfallexperte Schauffler rät: „Quert Wild plötzlich die Fahrbahn, sollte konsequent gebremst werden. Von riskanten Ausweichmanövern ist abzuraten, da dabei die Gefahr besteht, von der Fahrbahn abzukommen, mit einem Baum zu kollidieren oder in den Gegenverkehr zu geraten. Außerdem können Schäden, die ausschließlich durch ein Ausweichmanöver entstehen, versicherungsrechtlich anders bewertet werden als ein direkter Zusammenstoß mit Wild.“

Laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) haben die Autoversicherer 2024 rund 276.000 Wildunfälle registriert, bei denen ein Schaden von über 1,1 Milliarden Euro entstand. Jeder Wildunfall schlägt dabei im Schnitt mit rund 4.100 Euro pro Pkw zu Buche – ein Anstieg um über sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Ein Wildunfall ist unter allen Umständen unverzüglich der nächsten Polizei- oder Forstdienststelle zu melden. Angefahrene oder getötete Tiere dürfen auf gar keinen Fall mitgenommen werden. Dies erfüllt den Straftatbestand der Wilderei.