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Rentner am Steuer

Straßenverkehr für Ältere sicherer machen – fast 40 Prozent der Verkehrstoten sind 65 oder älter

Ältere sind seltener in Unfälle verwickelt, sterben aber doppelt so oft im Straßenverkehr wie Jüngere. Der Verband fordert Straßen, die Fehler verzeihen und Rückmeldefahrten ab 75.

Zum heutigen Internationalen Tag der älteren Menschen der Vereinten Nationen fordert der TÜV-Verband, den Straßenverkehr konsequent auf ältere Verkehrsteilnehmende auszurichten: mit Straßen, die Fehler verzeihen, verpflichtenden Rückmeldefahrten ab 75 Jahren und der Vision Zero als verbindlichem Ziel im Straßenverkehrsgesetz. Die Unfallstatistik zeigt, warum das notwendig ist: In Deutschland sterben Menschen ab 65 doppelt so oft im Straßenverkehr wie 25- bis 64-Jährige. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts für das Jahr 2025 waren 1.115 der 2.832 Verkehrstoten 65 Jahre oder älter, fast vier von zehn. Ihre Altersgruppe macht dagegen nur knapp ein Viertel der Bevölkerung aus.

„Unsere Straßen sind für Menschen gebaut, die schnell reagieren, gut sehen und in einer Grünphase über vier Fahrspuren kommen“, sagt Fani Zaneta, Referentin für Fahrerlaubnis, Fahreignung und Verkehrssicherheit beim TÜV-Verband. „Das passt nicht zu einem Land, in dem fast jeder Vierte über 65 ist. Mobilität bedeutet Teilhabe. Deshalb müssen wir den Straßenverkehr so gestalten, dass ältere Menschen sicher unterwegs sind, ob zu Fuß, auf dem Rad oder im Auto.“

Der TÜV-Verband fordert deshalb Straßen, die Fehler verzeihen und auf ältere Menschen ausgerichtet sind. sichere Querungen mit Mittelinseln, gute Beleuchtung, klare Sichtbeziehungen und Grünphasen, die lang genug sind, damit Ältere ohne Zeitdruck über die Straße kommen. Große, gut lesbare Schilder, eine klare Verkehrsführung und adaptive Ampelschaltungen erhöhen die Sicherheit zusätzlich. Die Vereinten Nationen haben den Aktionstag unter das Motto „The Age of Longevity: Rethinking Systems for Longer Lives“ gestellt. Im Straßenverkehr steht dieses Umdenken nach Ansicht des TÜV-Verbands noch aus. Die Infrastruktur ist ein Teil der Lösung, der Erhalt der Fahrkompetenz der andere.

Rückmeldefahrten: Einschätzung statt Prüfung

Ab etwa 75 Jahren lässt bei vielen die Leistungsfähigkeit messbar nach. Zwar sind ältere Menschen gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil seltener an Unfällen beteiligt als jüngere. Aber wenn Autofahrende dieser Altersgruppe an einem Unfall mit Verletzten beteiligt sind, gelten sie in rund drei von vier Fällen als Hauptverursachende. Und wenn sie selbst verunglücken, sind die Folgen häufig schwerer. Der TÜV-Verband setzt deshalb auf Rückmeldefahrten: Unabhängige Sachverständige beobachten das Fahrverhalten im realen Verkehr und besprechen es anschließend auf Augenhöhe mit den Teilnehmenden. „Ältere Menschen sind erfahrene und oft besonders umsichtige Verkehrsteilnehmende“, so Zaneta. „Mit den richtigen Angeboten können sie ihre Fahrkompetenz lange erhalten.“ Bis 75 sollen solche Fahrten freiwillig bleiben und durch Anreize gefördert werden, ab 75 regelmäßig und verpflichtend sein. Anlasslose, verpflichtende Fahreignungstests hält der TÜV-Verband dagegen nicht für zielführend.

Vision Zero ins Gesetz

Der TÜV-Verband fordert darüber hinaus, die Vision Zero, also das Ziel von null Verkehrstoten und Schwerverletzten, als verbindliches Leitprinzip im Straßenverkehrsgesetz (StVG) zu verankern. Bislang ist sie nur in einer Verwaltungsvorschrift festgeschrieben. Maßstab muss die Sicherheit der schwächsten Verkehrsteilnehmenden sein, und dazu gehören auch ältere Menschen. „Mit dem demografischen Wandel wird der Anteil älterer Menschen im Straßenverkehr in den kommenden Jahren weiter steigen“, sagt Zaneta. „Die Verkehrspolitik muss darauf reagieren und Straßen an den Bedürfnissen der Älteren ausrichten. Dadurch gewinnen alle an Sicherheit, vom Grundschulkind bis zum Großvater.“

Positionspapier „Vision Zero jetzt umsetzen – Verkehrssicherheit als Maßstab moderner Mobilität"
Positionspapier 
„Sichere Mobilität für ältere Verkehrsteilnehmende“


Methodik-Hinweis: Grundlage der Angaben sind Daten des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2025. Die Zahlen sind abrufbar unter www.destatis.de