Mobilität & Verkehr Ladeinfrastruktur, Lithiumbatterien, E-Auto, Elektromobilität
Teure Fehler vermeiden: Richtiges Laden entscheidet über Reichweite und Restwert
Elektro oder Hybrid? Für jeden zweiten Bundesbürger kommt beim nächsten Autokauf ein elektrifiziertes Fahrzeug infrage – das zeigt die aktuelle TÜV Mobility Studie. Doch insbesondere bei vollelektrischen Autos gibt es noch Vorbehalte, allen voran die als zu gering empfundene Reichweite und die vielerorts als unzureichend empfundene Ladeinfrastruktur. Besonders beim Kauf oder Verkauf eines gebrauchten Elektroautos rückt ein anderer Faktor in den Mittelpunkt: der Zustand der Batterie. Schließlich ist der Akku das Herzstück eines E-Autos – und zugleich eines seiner teuersten Bauteile. Fahrzeugexperte Marcel Schauffler vom TÜV Thüringen kennt die wichtigsten Stellschrauben, mit denen sich die Lebensdauer von E-Auto-Akkus verlängern lässt.
Jeder Handy- oder Tablet-Nutzer kennt es: durch häufiges Laden und Entladen lässt die nutzbare Kapazität des Lithium-Ionen-Akkus allmählich nach, im Lauf der Jahre entlädt sich der Akku immer schneller. Dem gleichen Alterungsprozess in Form von zyklischem und kalendarischem Verschleiß unterliegt auch die Antriebsbatterie im Elektroauto. Es ist also nicht nur jeder Ladezyklus, der den Akku belastet, die Kapazität nimmt über die Jahre auch altersbedingt und somit unvermeidbar ab. Muss die Lithium-Ionen-Batterie eines E-Autos aufgrund einer zu stark gesunkenen Restkapazität ausgetauscht werden, wird es schnell sehr teuer: Je nach Modell kann der Akku bis zu 20 Prozent des Neuwerts eines Elektroautos ausmachen, bei einem Gebrauchtwagen kann der Einbau eines neuen Akkus unter Umständen den Restwert übersteigen – entsprechend wichtig ist der Zustand des Akkus für den Fahrzeugwert. Der Erhaltungsgrad beziehungsweise der „State of Health“ (Gesundheitszustand) der Batterie lässt sich mit einer professionellen Diagnose ermittelt und wird in einem Zertifikat vom TÜV Thüringen dokumentiert.
„Moderne Traktionsbatterien, wie sie heute in vollelektrischen Fahrzeugen verbaut werden, können weit mehr als 1.000 Mal aufgeladen und wieder entladen werden. Die meisten Hersteller geben sogar eine Garantie für ihre Akkus und versprechen beispielsweise, dass auch nach 160.000 Kilometern Laufleistung oder acht Jahren Nutzung noch mindestens 70 Prozent der ursprünglichen Kapazität nutzbar sind. In der Realität lassen sich mit dem richtigen Ladeverhalten oft noch deutlich längere Zyklen erzielen“, weiß Marcel Schauffler.
Um die Lebensdauer des Akkus zu verlängern, sollten Elektroauto-Fahrer einige Tipps berücksichtigen. So empfiehlt es sich, den Akku nur vor Langstrecken-Fahrten auf 100 Prozent zu laden und sich im Alltag eher mit 80 Prozent zu begnügen. Moderne Lademanagementsysteme erlauben Einstellungen, die standardmäßig nur bis zu einem gewissen Wert laden und nur bei ausdrücklichem Wunsch eine Vollladung freigegeben. „Für die meisten alltäglichen Distanzen reicht ein Ladezustand von 80 Prozent vollkommen aus, das bringt keine Nachteile mit sich und schont den Akku. Sowohl Vollladungen auf 100 Prozent als auch zu häufige Tiefenentladungen auf unter 10 Prozent bedeuten unnötigen Stress für den Akku und beschleunigen den Kapazitätsabbau. Fahrer von Elektroautos sollten nach Möglichkeit auch auf zu häufige Schnellladungen verzichten, da sich diese ebenfalls ungünstig auf den Alterungsprozess des Energiespeichers auswirken können“, rät Marcel Schauffler. „Batterieschonende Aufladungen an der heimischen Wallbox oder an öffentlichen Ladesäulen mit 11 bis 22 kW können sich dagegen positiv auf den Gesundheitszustand und die Langlebigkeit der Speicherbatterie auswirken“, meint der Verkehrsexperte.
Ganz ähnlich wie die Starterbatterie beim Verbrennungsfahrzeug mag auch die Antriebsbatterie des E-Autos weder lange Standzeiten noch zu kalte oder zu heiße Umgebungstemperaturen. „Wer sein Elektrofahrzeug aufgrund eines längeren Urlaubs nicht nutzt, sollte darauf achten, dass die Batterie nicht zu voll und auch nicht zu wenig geladen ist. Ein mittlerer Ladezustand zwischen 30 und 70 Prozent ist in einem solchen Fall vorteilhaft“, empfiehlt Marcel Schauffler. Auch moderne Lithium-Ionen-Akkus können bei Nichtgebrauch rund fünf Prozent ihres Ladezustands im Monat verlieren: „Bei Temperaturen über 25 Grad kann sich die Selbstentladung noch beschleunigen. Ein dauerhaft schattiger Platz oder eine kühle Garage für den Stromer kann sich im Sommer entsprechend positiv auswirken“, so Verkehrsexperte Schauffler.